Romana Waller
Die City Managerin Aaraus im Interview
Samuel Stutz verantwortet als Geschäftsführer der Brügglifeld Catering AG das leibliche Wohl im Stadion. Ein Gespräch über Logistik im Brügglifeld, Biermengen und Geistesblitze rund um das FCA-Menü.
Der FCA lagerte nach langjähriger externer Verpachtung das Catering in die Tochterfirma Brügglifeld Catering AG aus. Welche Bilanz ziehen Sie nach über 2,5 Jahren Eigenregie?
Ich ziehe eine überaus positive Bilanz. In kurzer Zeit konnten wir zahlreiche Veränderungen anstossen, die sich bis heute bewährt haben. Schritt für Schritt konnten wir eine Professionalisierung des Stadion-Caterings erreichen, und das, obwohl wir keine Vollzeit-Mitarbeiter haben.
Die Fans katapultierten Sie 2025 mit 7,7 von 10 Punkten zum Catering-Spitzenreiter der Challenge League. Wie geht das?
Wichtig war, nach der Übernahme das Rad nicht neu erfinden zu wollen. Am Ende lebt das Brügglifeld von Bratwurst, Fackelspiess und Bier. Allem voran müssen diese Basics qualitativ stimmen und von effizienten Abläufen begleitet werden. Dafür haben wir ganze Vorgänge von Grund auf umgekrempelt: vom digitalen Zahlungssystem, mit dem man das Bier schon vom Platz aus bestellt und nur noch abholt, bis zu neuen Grill- und Zapfprozessen, die enorm Zeit sparen. Eine Devise leitete uns dabei von Beginn an: Niemand soll wegen uns einen spannenden Match verpassen.
Am 18. Oktober steigt der Cup-Kracher gegen den FC Zürich. Wann beginnt für das Catering so ein Match?
Schon bei der Auslosung am Sonntagabend (lacht). Da ist jeweils unser gesamtes Team gespannt, wem der FCA auf dem Platz gegenübertritt. So ein Spiel zu stemmen, ist keine leichte Aufgabe. Aber bei den letzten Barrage-Spielen gegen GC oder gegen YB im Cup haben wir bewiesen, dass wir dem gewachsen sind.
Kommt Ihnen das Brügglifeld nicht in die Quere?
Die Infrastruktur ist für so eine Belastung eigentlich nicht ausgelegt, das muss man sagen. Im Freiluftstadion Brügglifeld können wir die Getränkepaletten nicht per Gabelstapler durch einen Untergrundtunnel transportieren. Eine akribische Vorbereitung ist hier unerlässlich, vor allem mit unserem Anspruch, dass das Bier auch dann gleich schnell da sein soll, wenn der FC Zürich kommt.
Die Frage der Fragen: Wie viele Fackelspiesse und Liter Bier gehen bei ausverkauftem Haus weg?
Wie viel an einem Match tatsächlich konsumiert wird, hängt stark von der Anpfiffszeit ab. Das Cup-Spiel fällt auf einen Samstag, an dem immer viel gegessen wird. Wir gehen von rund 1000 bis 1200 Fackelspiessen aus, übrigens auch, weil sich dieser Aarauer Klassiker im Gästesektor bester Beliebtheit erfreut. Beim Bier haben wir wieder Unmengen bestellt, diesmal knapp 7500 Liter. Natürlich ist das nicht nur für das eine Spiel, und bestimmte Mengen kann man dem Lieferanten zurückgeben. Aber seit ich für das Catering zuständig bin, sassen wir bezüglich Bier noch nie auf dem Trockenen (lacht).
Gibt es auch Ideen jenseits der Stadion-Klassiker?
Während Fackelspiess, Bier und Cola die Grundlage legen, wollen wir auch für eine abwechslungsreiche Gastro stehen. Dazu haben wir das Brüggli Pop-Up lanciert, das alle drei Spiele das Angebot variiert. Von Chilli con Carne über Fischknusperli bis zu Süsskartoffelpommes ist für jeden Gaumen etwas dabei. Auch für Ausgefallenes wie einen Süssigkeitenstand oder Spargelravioli ist bei uns Platz. Im Herbst und Winter wird es auch Crêpes geben und natürlich unseren berühmten Fondue-Dog.
Wie entstehen solche ausgefallenen Menü-Ideen?
Zum Beispiel, wenn ich unter der Dusche stehe. Oder gerade erst beim Rasenmähen (lacht). Man muss verstehen, dass es sich bei mir 24/7 um Gastronomie und Hotellerie dreht und ich voll in der Branche daheim bin. Da kommen solche Ideen fast automatisch.
Das Gastro- und Hotelleriegewerbe bietet viele Wege an. Warum haben Sie sich ausgerechnet auf das Catering spezialisiert?
Sport an sich hat mich schon immer fasziniert. Die Gastro hat mit dem Sport vieles gemeinsam: Es geht darum, unter Druck Leistung abzuliefern. Es lag für mich schon früh auf der Hand, diese Bereiche zusammenzuführen. Wenn man dann noch bei einem Verein wie dem FC Aarau und in einer tollen Atmosphäre arbeiten kann, spornt einen das extrem an.
Sie kommen ursprünglich aus Wohlen. Mit dem FCA fiebern Sie trotzdem mit?
Seit ich im Frühjahr 2024 hier angefangen habe, habe ich kein Heimspiel mehr verpasst. Für die Auswärtsspiele habe ich mir sogar ein Fernsehabo geholt. Wenn man hier arbeitet und mit den diversen Menschen zu tun hat, mit der Leitung sowie den Anhängern, wird man automatisch Fan. Und dann leidet man auswärts in der Barrage in Zürich genauso mit, wie es jeder andere Fan auch würde.
Joel Dreier
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