Julia Knapp
Die Zofinger Literaturtage gehen mit Tschechien "an die Küste".
Der Fussball ist sein Leben: Nach seiner Profikarriere gibt Stefan Kohler sein fussballerisches Wissen und Können beim FC Aarau als Techniktrainer und Leiter der Adler Kids Camps weiter.
Villmergen/Aarau «Alli zu mir! Und zwar hüt no!» Stefan Kohler klatscht in die Hände, und rund 30 Kinder im schwarz-roten Aarau-Dress sprinten quer über den Platz auf ihn zu. Die Mittagssonne brennt unnachgiebig auf die Sportanlage Bachmatt in Villmergen, wo das letzte Adler Kids Camp des Jahres stattfindet. Die Luft flimmert über dem Rasen, doch die Hitze scheint die Kinder nicht zu bremsen. Kohler wartet, bis auch die Letzten angekommen sind, und lässt den Blick über die Reihen wandern. Eine hochgezogene Augenbraue, eine trockene Bemerkung, und die Gruppe bricht in Gelächter aus. Dann schickt er die Kinder mit einer knappen Handbewegung zurück auf die Spielfelder, wo die Bälle schon wieder rollen.
Wer ihn so erlebt, ahnt: Hier weiss einer, was er tut. Kohler kennt den Fussballplatz nicht nur als Trainer, sondern auch als Spieler. Als kleiner Knirps beginnt er beim FC Dietikon und wird früh von einem Talentscout entdeckt. «Mit sieben Jahren sass ich alleine im Zug nach Zürich zum GC-Probetraining», erinnert er sich schmunzelnd.
Es ist der Auftakt einer Reise. Dreizehn Jahre lang durchläuft Kohler sämtliche Stufen der GC-Jugendakademie und spielt parallel von der U-15 bis zur U-21 für die Nati.
In der Saison 2003/04 feiert er sein Profidebüt im Fanionteam der Grasshoppers. Später führt ihn sein Weg in die Challenge League zum FC Winterthur und zum FC Schaffhausen, zuletzt in die deutsche Regionalliga. 2014 beendet er seine Karriere bei Rapperswil-Jona.
Das Fussballfeuer erlischt damit keineswegs. Bei den Grasshoppers wirkt Kohler als Techniktrainer und baut gemeinsam mit Arianit Shaqiri, einem der Brüder von Xherdan, die Fussballschule «PrioSoccer» auf. Zudem sammelt er wertvolle Erfahrungen im Ausland: In Nordmazedonien trainiert er beim KF Skendija rund 135 Junioren, in Tunesien stampft er eine Fussballschule aus dem Boden. «Den Rucksack füllen», nennt er das lächelnd.
Dieser gefüllte Rucksack kommt ihm nun beim FC Aarau zugute. 2024 spricht ihn Sandro Burki an, der heutige geschäftsführende Präsident des Vereins. «Mich und Sandro verbindet eine lange Freundschaft», verrät der 42-Jährige. Während sie in den U-Auswahlen der Nati zeitweise zusammen spielten, standen sie sich auch schon im Schweizer Cup gegenüber. «Er fragte mich, ob ich beim FC Aarau als Coach aktiv sein und mich in den Adler Kids Camps engagieren möchte.» Lange überlegen musste Kohler nicht.
In seiner Arbeit bewegt sich Kohler an zwei Enden des Leistungsspektrums. Als Techniktrainer der U-Auswahlen steht er beim FC Aarau mit einem Bein im Leistungssport, als «Tätschmeister» der Adler Kids Camps bedient er den Breitensport. Leistung und Intensität unterscheiden sich deutlich, die Faszination für den Sport eint beide Bereiche gleichermassen. Ob es nur eine Woche im Camp ist oder Jahre in der Aarauer Fussballschmiede: «Man begleitet junge Spieler in ihrer Entwicklung, an ihren Höhepunkten und auch in Zeiten, in denen man die Zähne zusammenbeissen muss. Das gefällt mir an meiner Arbeit besonders.»
Eine Frage beschäftigt Kohler dabei besonders: Was macht einer aus seinem Talent? «Es gibt viele Talente», konstatiert er. «Nur muss der Spieler auch alles geben. Schnürt er auch bei Minusgraden die Laufschuhe? Trainiert er den Zweitfuss?» Oft komme es auf die Mentalität und auf die kleinen Dinge abseits des Platzes an. Diese Besessenheit könne man nicht erlernen, sie müsse gegeben sein und auch vom Verein vorgelebt werden. Da sieht Kohler im internationalen Vergleich in der Schweiz noch Luft nach oben. Doch in der Nachwuchsakademie des FC Aarau seien diese Eigenschaften schon früh gefragt und würden gefördert.
Bemerkenswert ist dabei die Bandbreite der jungen Spieler. Mit einem 17-Jährigen, der bereits einen Profivertrag in der Tasche hat, spricht Kohler auf Augenhöhe über Fussball, bei den Jüngsten ist dagegen Fingerspitzengefühl gefragt. Man müsse jeden Spieler abholen, sagt er, den Feinen wie den Harten. «Nur als Mannschaft, als Gefüge von elf Spielern, kann man auf dem Platz bestehen.»
Kohler gibt aber nicht nur weiter, er lernt auch selbst von den Kindern und Jugendlichen: von ihrer Leichtigkeit im Umgang mit schwierigen Situationen, von einem Lachen mitten im Spiel. Ob er in den jungen Spielern manchmal den kleinen Stefan wiedererkennt, der in den 90er-Jahren in der GC-Talentschmiede dem Ball nachjagte? «Definitiv», sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen.
Joel Dreier
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