Korpskommandant/CdA Benedikt Roos
Der Chef der Armee diskutierte in Lenzburg die aktuelle Sicherheitslage der Schweiz
Die Palliative-Care-Begleitgruppe bietet schwerkranken und sterbenden Menschen eine einfühlsame Begleitung in der letzten Lebensphase. Das Angebot der Aargauer Landeskirchen ist auch in Zofingen und der Region aktiv – getragen von der unentgeltlichen Arbeit engagierter und ausgebildeter Freiwilliger.
Zofingen Im Rahmen ihrer Tätigkeit treffen sich die Engagierten der Palliative-Care-Begleitgruppe regelmässig im reformierten Kirchgemeindehaus in Zofingen. Dort tauschen sie sich in einem vertraulichem Rahmen unter der Leitung von Pfarrer Ruedi Gebhard darüber aus, was sie erlebt haben – Positives wie Negatives. Wie gestaltet man den Umgang mit Angehörigen? Wie begleitet man die unterschiedlichen Klienten am besten? Und wo zieht man eine Grenze zwischen sich und dem Erlebten?
Eine Frage, die auch Helena Hodel just an diesem Tag umtreibt. Ein Klient, den sie betreute, verstarb noch am selben Tag. Diese emotionale Grenze zu ziehen, falle auch ihr nicht immer leicht. Es sei vor allem der zeitliche Abstand zwischen den Einsätzen, der sie aufatmen und distanzieren lasse. Dies, weil sie anders an die Sache herangehe als so manches Gspänli der Freiwilligengruppe. «Ich wurde immer gelehrt, mich konsequent zu schützen», erinnert sie sich. Das Aufbauen dieses Schutzpanzers kostete sie aber immer mehr Kraft. So viel, dass sie sich bewusst gegen ihn entschied. Ihre natürliche Offenheit und damit einhergehend ihre Fähigkeit, Menschen abzuholen und sie so würdevoll durch den letzten Lebensabschnitt zu begleiten, sei es mehr als wert, emotional mitgenommen zu werden – und dann gegebenenfalls auch eine Pause einlegen zu müssen.
Im Gespräch mit den Freiwilligen aus dem Begleitdienst wird schnell klar, dass sie genauso unterschiedlich sind wie ihre Klienten. So fällt es Bruno Graber weniger schwer, die emotionale Grenze zu ziehen. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass der Mühlethaler während knapp vier Dekaden, insgesamt 38 Jahre, in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg tätig war, davon neun Jahre als Leiter des Zentralgefängnisses. Schon dort habe er gelernt, «die Tat vom Täter zu trennen», berichtet er. Aus jener Zeit habe er einen gefüllten Rucksack voller Erfahrungen, von dem er auch nach seiner Pensionierung noch profitiere. Auch im Sicherheitstrakt, den er zehn Jahre lang leitete, habe er auch die Insassen begleitet – auch wenn diese nicht explizit am Sterben waren.
So kommt es, dass Graber zeitweise mehrere Klienten betreut, was für Helena Hodel so nicht machbar wäre. Nicht zuletzt ist die Arbeit Grabers deshalb so wertvoll, da zurzeit nur zwei Männer ihren Platz in der Gruppe finden – so kann er Menschen begleiten, die sich explizit einen Mann an ihrer Seite wünschen.
Es sei zudem ein Missverständnis, dass der Begleitdienst an eine bestimmte Konfession gebunden ist, auch wenn das Angebot den Aargauer Landeskirchen entspringt, erklärt der Leiter der Freiwilligengruppe, Pfarrer Ruedi Gebhard. Das Angebot richte sich an Menschen unabhängig ihrer religiösen Zugehörigkeit oder Weltanschauung. Im Zentrum stehe nicht der Glaube, sondern die Begleitung – das Dasein, Zuhören und Mittragen in einer sensiblen Lebensphase.
Diese Tatsache spiegelt sich auch in den Freiwilligen wider. Bruno Graber nimmt dabei viel Kraft aus seinem christlichen Glauben und lässt dies nach den Wünschen seiner Klienten auch einfliessen. Er erzählt schmunzelnd eine Anekdote, in der eine 101-jährige Frau ihn am Sterbebett gefragt habe, «was denn nun als Nächstes passiere»: «Ich kann immer nur das sagen, was ich selber glaube und hoffe». Die Betreuung müsse aber genauso gut ohne eine spirituelle Komponente auskommen, wenn dies gewünscht sei.
Helena Hodel dagegen ging als überzeugte Atheistin durchs Leben. Heute glaubt sie an eine tiefere Dimension des Daseins und setzt sich mit der buddhistischen Zen-Philosophie auseinander. So verbrachte sie auch Zeit in der buddhistischen Stiftung Felsentor im Kanton Luzern.
«Die Blicke und Eindrücke, die mir die Klienten geben, sind einfach einzigartig», beschreibt Hodel ihr Engagement. Die Bindungen, die man teilweise auch über einen kurzen Zeitraum eingehe, seien umso intensiver und lehrreicher. Ihrem eigenen Altern und Sterben blickt Hodel dank ihrem Erfahrungsschatz beruhigt entgegen. Sie wisse heute klarer, was sie wolle – und was genau nicht.
Für eine Mitarbeit in der Begleitgruppe ist auch eine Ausbildung nötig, welche die Reformierte Landeskirche Aargau verantwortet. Die Lehrgänge werden mit ausgewiesenen Fachpersonen und Kursleitenden im Bereich Palliative Care und Begleitung durchgeführt. Vermittelt wird Fachwissen in Palliative Care aus Medizin, Pflege, Recht, Theologie, Ethik, Psychologie und Seelsorge, das in Gruppen- und Supervisionsarbeit vertieft wird.
Joel Dreier
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