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Der Trafoturm am Staufner Lindenplatz hat als Transformatorenstation ausgedient. Die Staufner Gallus Zahnound Otto Moser möchten dem Turm mit einem klangvollen Projekt zu einem neuen Leben verhelfen.
Staufen Am Staufner Lindenplatz steht ein für das ungeschulte Auge wohl oft übersehener Zeitzeuge: der 1945 erbaute Trafoturm. Er symbolisiert die Geschichte der Elektrifizierung des Dorfes aus der Zeit, als die umliegenden Liegenschaften im Staufner Zentrum noch überirdisch durch Freileitungen mit Strom versorgt wurden. Die Stromkabel sind seither alle im Boden verschwunden und auch die typischen, weissen Isolatoren sucht man an der Turmfassade vergebens. Seit 2024 die neue Trafostation am Rennweg, welche künftig die Stromverteilung des Dorfzentrums übernimmt, eingeweiht wurde, stellt sich die Frage: Was tun mit dem alten Turm?
«Den Turm einfach abzureissen, finden wir die schlechteste Option», sagen Gallus Zahno, der noch bis Ende Jahr im Staufner Gemeinderat amtet, und sein Mitstreiter Otto Moser. Die beiden haben eine bessere Idee: Ein sogenanntes Carillon, ein Glockenspiel, soll dem Trafoturm eine neue Funktion und damit ein zweites Leben schenken.
Achtzehn fix an der Turmfassade angebrachte Bronze-Glocken sollen dereinst einmal tagsüber eine Melodie spielen. Gespielt wird das Carillon aber nicht etwa von Hand, wie Otto Moser erklärt: «In jeder Glocke sitzt ein fest montierter Hammer, der über einen Magneten elektronisch angesteuert wird und so die Glocke anschlägt.» Die Steuerung wählt dann zu einer definierten Zeit zufällig eines der elektronisch hinterlegten Lieder aus und spielt dieses ab.
Das Staufner Exempel wäre der erste Trafoturm in der Schweiz, der in dieser Art umgenutzt würde. Die Ini-tiatoren erhoffen sich vom Carillon aber nicht nur eine Novität, sondern eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Belebung des Lindenplatzes. Besonders samstags soll das Glockenspiel zur Einkaufszeit am Morgen erklingen. «Die Hoffnung ist, dass die Leute fürs Carillon-Spiel ins Dorfzentrum kommen und anschliessend in den umliegenden Geschäften ihre Einkäufe erledigen», erklären Zahno und Moser. An Sonntagen wäre dagegen eine Spielzeit am Nachmittag denkbar, sodass sich Spaziergänger am Lindenplatz treffen und dort ins Gespräch kommen.
Bis die Glocken am Trafoturm ein erstes Mal erklingen können, dauert es wohl noch eine Weile. Aktuell seien Gallus Zahno und Otto Moser gemeinsam mit einem Metallgestalter dabei, den genauen Aufbau zu planen. Denn: «Das Ensemble soll auch fürs Auge etwas hergeben», unterstreichen die Projektväter. In der Gemeinde und besonders bei den Anwohnern haben sich die beiden bereits umgehört. «Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv», zeigt sich Gallus Zahno doch etwas überrascht. Dazu hat sicher auch beigetragen, dass ein Stundenanschlag sowie Spiele in der Nacht von Beginn weg ausgeschlossen wurden, um die «Lärm»-Emissionen auf ein Minimum zu reduzieren.
Der Plan sieht nun vor, dass das Baugesuch zu Jahresbeginn 2026 bei der Gemeinde eingereicht wird. Bevor sie diesen Schritt aber in Angriff nehmen, wollen Zahno und Moser aber erst die Finanzierung klären. Das Projekt soll nämlich durch Sponsoren finanziert werden. Interessierte können etwa eine Patenschaft für eine Glocke übernehmen, wobei die Preise je nach Grösse von 3700 bis 5600 Franken rangieren. Für gut 250 Franken kann man zudem ein eigens ausgewähltes Lied einspielen lassen.
«Für acht der achtzehn Glocken haben wir bereits Spendenzusagen erhalten», zeigt sich Gallus Zahno erfreut. Weitere Sponsoren und Unterstützer sollen am 19. Dezember gewonnen werden. Dann stehen Gallus Zahno und Otto Moser nämlich mit einem Stand am Staufner Weihnachtsmarkt bereit, um weiter über das Projekt aufzuklären. Weitere Informationen gibt es zudem auf der Website www.carillon-staufen.ch.
Von Adrian Oberer
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