Tobias Leuthard
Rückblick auf zwei Amtsperioden als Gemeindepräsident von Küttigen
Im Gespräch erzählt die ehemalige Stadtpräsidentin, wie sie den überraschenden Wahlausgang im letzten Jahr erlebt hat, welche Projekte 2025 Erfolge und Herausforderungen brachten und worauf sie persönlich besonders stolz zurückblickt.
Christiane Guyer, Sie wurden letzten Jahr unerwartet nicht als Stadtpräsidentin wiedergewählt. Insgesamt 18 Stimmen fehlten zu Ihrer Wiederwahl. Wie haben Sie den Tag erlebt?
Es war ein sehr emotionaler Tag. Mit dem Resultat hatte ich – wie viele andere – nicht gerechnet. Ich hätte mich sehr gerne weiterhin als Stadträtin und Stadtpräsidentin für Zofingen engagiert. Es kam anders – und ich gratulierte André Kirchhofer umgehend am traditionellen Apéro nach der Wahl.
Wie geht Ihr persönlicher Weg nun weiter?
Vor dem nächsten Kapitel gönne ich mir jetzt mal eine Pause. Ich freue mich, mehr Zeit für Familie, Freunde, Natur, Kultur und Sport zu haben.
Stellen wir uns das Jahr 2025 als eine Strasse vor; bei welchen Projekten begegnete die Stadt Unebenheiten – oder sogar einer Strassenblockade?
Eine Extrarunde wurde beim Projektierungskredit für den Erweiterungsbau der Musikschule nötig. Der Stadtrat hat das Geschäft nach der Diskussion in der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGPK) zurückgezogen. Dieses wird nun im Sinne der Diskussion in der FGPK überarbeitet, konkretisiert und offene Fragen werden geklärt. Das überarbeitete Geschäft soll 2026 zusammen mit der Schulraumplanung dem Einwohnerrat vorgelegt werden.
Wo konnte die Stadt hingegen richtig Gas geben?
Wir konnten mehrere richtungsweisende Projekte vorantreiben, beispielsweise die Verselbständigung des Seniorenzentrums per Anfang 2026, das räumliche Entwicklungsleitbild und die kommunale Energieplanung erarbeiten. Zudem schlossen sich nach weniger als einem Jahr Projektdauer die beiden Bevölkerungsschutzregionen Suhrental-Uerkental und Region Zofingen Anfang 2025 zur neuen Region Zofingen mit 23 Gemeinden zusammen. Ich habe mich auf unterschiedlichsten Ebenen immer wieder für die regionale Zusammenarbeit eingesetzt und bin überzeugt, dass diese auch künftig ein wichtiger Erfolgsfaktor sein wird.
Auf welches Ereignis schauen Sie im letzten Jahr persönlich besonders gerne zurück?
Am 4. Juli 2025 feierten wir 200 Jahre Kinderfest. Die Vorfreude war deutlich spürbar und das Fest ein grosses Highlight. Zu diesem besonderen Anlass durfte Zofingen eine Delegation aus dem Regierungsrat begrüssen. Persönlich fand ich es orginell, dass der Stadtrat mit historischen Kleidern am Umzug teilnahm. Besonders war auch der Vereins- und Informationsmarkt, welcher zum dritten Mal stattfand, oder die 1. Augustfeier im Rosengarten.
Im Einwohnerrat konnte ein Richtungsentscheid bezüglich des Areals der Unteren Vorstadt gefällt werden: Das Land wird im Baurecht abgegeben und knapp 100 Wohnungen entstehen. Was bedeutet dieser Schritt für die Stadt?
Die Untere Vorstadt ist ein Schlüsselgelände für die Stadtentwicklung. Aktuell ist sie städtebaulich unternutzt und trägt den geltenden raumplanerischen Zielsetzungen der Innenentwicklung nicht Rechnung. Das Areal soll in ein qualitativ hochwertiges und attraktives Stadtquartier transformiert werden. Der Entscheid des Einwohnerrats ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Es freut mich zudem, konnte für das Vorhaben ein solider Investor gefunden werden, der bekannt ist für generationenübergreifenden Wohnungsbau.
Kritiker bemängelten, dem Stadtrat sei bei den -Verhandlungen mit dem Investor auf den letzten Metern «die Luft ausgegangen». Was ist die Sicht des Stadtrates?
Diese Einschätzung teilt der Stadtrat nicht. Verhandlungen sind immer ein Geben und Nehmen.
2024 wurde der Grundstein für das Oberstufenzentrum gelegt. Es soll im Schuljahr 2027/2028 bezogen werden: Ist das Projekt zeitlich und kostentechnisch auf Kurs?
Ja, und dies ist sehr erfreulich. Die Arbeiten laufen mit Hochdruck. Die Fenster sind bereits eingebaut, aktuell wird die Fassade verkleidet, und in Kürze beginnt der Innenausbau.
Reicht dieses Oberstufenzentrum, um den Bedarf an Schulraum auch für die kommenden Jahre zu decken? Oder stehen schon zusätzliche Lösungen im Raum?
Für die kommenden Jahre sollte der Schulraum reichen. Die mittelfristige Schulraumplanung läuft.
Ihre Nachfolge übernimmt der Freisinnige André Kirchhofer. Ist die Stadt weiterhin in guten Händen?
Ja. Beim Stadtpräsidium zählt nicht primär die Parteizugehörigkeit, sondern das Engagement für die ganze Bevölkerung. Ich wünsche dem Stadtrat alles Gute, viel Erfolg, Mut, Dialogfähigkeit, Grosszügigkeit und Weitsicht bei den Entscheidungen. Auch in Zukunft geht es darum, gemeinsam tragfähige Lösungen für unsere Stadt und die Region zu finden, für ein lebendiges zukunftsgerichtetes Zofingen.
Was möchten Sie den Zofingern noch abschliessend mitgeben?
Ich blicke dankbar auf eine spannende und intensive Zeit als Stadtpräsidentin zurück. Meine Arbeit habe ich sehr gerne gemacht. Den Austausch und die Zusammenarbeit mit Menschen mit unterschiedlichsten Perspektiven habe ich besonders geschätzt. Eine funktionierende Gemeinschaft wie unsere Stadt braucht engagierte Mitmenschen – ich danke allen, die sich für unser Zofingen und unsere Region einsetzen!
Interview: Joel Dreier
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