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Am vergangenen Mittwochabend wurde Noe Seifert, frischgebackener Bronzemedaillengewinner im Kunstturn-Mehrkampf, in Oftringen offiziell in Empfang genommen. Neben etlichen Zuschauern schauten auch Wegbegleiter, Vereinskollegen und prominente Gäste vorbei, um seine historische WM-Medaille zu feiern.
Oftringen «Pumpenvoll»: So liess sich, wenn auch salopp, die Platzsituation in der Mehrzweckhalle in Oftringen wohl am besten beschreiben. Keiner liess es sich nehmen, Noe Seifert gleich persönlich in Empfang zu nehmen. Kein Wunder: Seine Bronzemedaille im Mehrkampf an der Weltmeisterschaft in Jakarta ist die erste auf nationaler Ebene seit notabene 75 Jahren.
Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Wahrscheinlich weiss das keiner besser als ein langjähriger Wegbegleiter: Charly Zimmerli. «Erfolg ist das Ergebnis von Disziplin, Leidenschaft und einem unerschütterlichen Glauben an das Selbst», konstatierte der Hauptturnverantwortliche des Satus ORO zum Auftakt. Aber doch sei es in Anbetracht der einmaligen Leistung seines ehemaligen Schützlings nicht zureichend, wenn er alleine durch den Abend führen würde.
Unter tosendem Applaus durfte Zimmerli einen Lokalmatador auf die Bühne bitten: das Kommentatoren-Urgestein Bernhard Schär. «Ich mache das selten», begann der Wahl-Küngoldinger, «aber ich verneige mich vor dir und deiner Leistung, Noe.» Eine Ehre nach der anderen für den 26-Jährigen, wurde er doch noch am Flughafen in Zürich wie ein Volksheld empfangen und sass noch am Sonntag im Sportpanorama des SRF. Der Support seiner Heimat bedeute ihm dabei sehr viel: «Ich komme von hier und probiere so oft wie möglich, noch hierhin zurückzukommen. Der Support ist wirklich nicht selbstverständlich und dafür bedanke ich mich bei jedem.» Neben der Unterstützung der Allgemeinheit kann er auch auf den Rückhalt seiner Familie und Freundin Larissa zählen. «Meine Familie kam mit nach Jakarta und lancierte früh meine Karriere, dafür bin ich auch unendlich dankbar», so Seifert.
Auch auf Nachfrage des Moderators kann er es immer noch nicht wirklich glauben, was da in den letzten paar Wochen alles geschehen ist. Besonders jetzt, wo er nach dem weit entfernten Jakarta wieder in der Mehrzweckhalle in Oftringen stehe. Hier, wo er in der Sekundarstufe noch im Sportuntericht Fussball und Uni-hockey gespielt habe.
Doch war es nicht der Fussball oder das Unihockey, das ihn packte, sondern der Kunstturnsport. Keinen unerheblichen Anteil daran hatte Charly Zimmerli, der Noe jahrelang trainierte. «Als ich Noe übernahm, war ich gerade Trainer geworden, ‹frisch von der Presse› sozusagen», erinnert er sich noch gut. Es seien «zwöi sturi Grinde» aufeinandergeprallt. So zum Beispiel, als bei einem regionalen Wettkampf beim Rangverlesen «Tenü lange Hose» galt und Noe prompt in kurzen Hosen auftauchte und sich weigerte, diese zu wechseln. «Es bedurfte vielen Helfern, aber wir konnten ihn dann doch noch zu langen Hosen bewegen», schmunzelt Zimmerli.
Im eigentlichen Training hat Zimmerli schon länger nichts mehr mit Noe zu tun – er trainiert unlängst im Nationalen Sportzentrum in Ma-gglingen. Zimmerli sieht seine Aufgabe darin, Noe zu unterstützen – sei es mit Feierlichkeiten wie heuer, aber genauso, wenn es Rückschläge zu verarbeiten und es «Aufbauarbeit» zu leisten gibt.
Das grosse Ziel der Zukunft ist glasklar: die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. 2027 steht die Qualifikation dafür an der Weltmeisterschaft in Chengdu, China an. «Ein Traum wäre es, sich wieder im Team zu qualifizieren, wie bei den Olympischen Spielen in Paris im letzten Jahr.»
Und während die Gäste den Abend bei Apéro und Gesprächen ausklingen liessen, blieb eines spürbar: der Stolz eines ganzen Dorfes auf ihren Ausnahmeathleten. Noe Seifert hat mit seiner Bronzemedaille nicht nur Turngeschichte geschrieben, sondern auch gezeigt, dass es mit Ausdauer, Disziplin und Leidenschaft möglich ist, neben den besten der Welt zu stehen – auch wenn man aus dem «kleinen und beschaulichen» Oftringen kommt.
Joel Dreier
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