Tobias Leuthard
Rückblick auf zwei Amtsperioden als Gemeindepräsident von Küttigen
Lenzburg Der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg organisierte die diesjährige regionale Exkursion mit dem Titel «Kunstlicht – Segen oder Fluch?», welche durch das nächtliche Lenzburg führte. An der Exkursion nahmen die benachbarten Vereine Schafisheim, Staufen, Seon, Egliswil und Hendschiken teil. Begleitet und kommentiert wurde der Anlass von drei Experten, welche sich für einen zweckmässigen beziehungsweise nachhaltigen Einsatz von Kunstlicht engagieren. Zweifellos bestehen erhebliche Diskrepanzen zwischen den Sicherheitsbedürfnissen der Bevölkerung, den Anforderungen von Gewerbe- und Kultureinrichtungen sowie der ökologischen Verträglichkeit von Kunstlicht. Die Gesetzgebung gibt dafür lediglich Rahmenbedingungen vor, ergänzt werden diese durch Richtlinien und Fachnormen, welche aber Interpretationsspielraum freigeben.
Das Thema warf kritische Fragen auf, zu welchen der Biologe und Fledermausexperte Andres Beck, der Netzfachmann SWL, Luca Bühlmann, sowie der Lichtplaner und Vorstandsmitglied von Dark Sky Switzerland, Roland Bodenmann Stellung nahmen.
In Anbetracht der unterschiedlichen Bedürfnisse und des rechtlichen Ermessensspielraums, ergibt sich ein komplexes Spannungsfeld. Im Zentrum stehen die politischen Instanzen, denen die Entscheidfindung in konfliktträchtigen Situationen vom finanziell Machbaren versus Wünschbaren obliegt. Dies schliesst die Beachtung von Auflagen, Bewilligungsverfahren, Kontrolle und Vermittlung ein.
Auf der Exkursion zeigten sich denn nebst moderatem Lichteinsatz auch fragwürdige «Sündenfälle». Seitens der SWL wird auftragsgemäss gearbeitet, wobei aus finanziellen Gründen der Opportunität nicht immer die sinnvollsten neusten technischen Entwicklungen zum Einsatz kommen können. Immerhin werden Quartierstrassen nachts auf 50 % gedimmt.
Die Lichtemissionen haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Besonders sensibel reagiert die Tier- und Pflanzenwelt. Wissenschaftlich nachweisbar sind Störungen des Stoffwechsels im Jahreszyklus von Bäumen, welche Lichtquellen ausgesetzt sind, verändertes Verhalten bei nachtaktiven Tieren, bis hin zu Lebensraumverlust.
Konkret finden sich im urbanen Raum nur noch Zwergfledermäuse. Die übrigen Fledermausarten meiden die Lichtexposition, da der Schutz vor Fressfeinden fehlt. Aber auch der Mensch leidet. Viele biologische Prozesse im menschlichen Körper unterliegen definierten Zeiten, so auch der Schlaf-Wach-Zyklus, welcher mangels ausreichender Dunkelheit gestört wird.
Fazit für alle «Lichtverursacher»: so viel wie nötig, so wenig wie möglich und der politische Wille zu konsequenter Lenkung.
CR
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