Regula Stirnemann
organisiert ab dem Januar 2026 den Kurs «Ladies Mountainbiketechnik 55+»
Alain Mieg mit zwei seiner Himmelsweltenwerken: "Realize your Dreams" oben und "How deep I see" unten.
Bild: Olivier Diethelm
Vom 16. November bis 7. Dezember öffnet Alain Mieg wieder die Türen zu seinem Atelierhaus und lädt herzlich ein, in seine Himmelswelten einzutauchen. Der Lenzburger Kunstmaler erzählt im Porträt unter anderem vom Entstehungsprozess seiner einzigartigen Bilder und welche Philosophie dahinter steht.
Lenzburg Bevor Alain Mieg jeweils im November seine Türen für Besucherinnen und Besucher öffnet, beginnt ein intensiver, dreiwöchiger Prozess. «Ich hänge die neuen Bilder immer wieder um, schaue, ob die Farben harmonieren, bis es für mich stimmt», erzählt er. Dann erst ist der Moment gekommen, an dem die Ausstellung im Atelierhaus beginnen kann – an dem Ort, an dem Kunst und Leben ineinanderfliessen.
Sein Haus, das ehemalige Zuhause seiner Grosseltern, ist heute zugleich Atelier, Wohnraum und Ausstellungsort. Einige Räume bleiben privat, der Rest wird während der Ausstellung öffentlich. «Die Leute kommen quasi zu mir in die Stube», sagt Mieg. Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf Sofas oder Stühle setzen, Kaffee trinken, ein Glas Wein geniessen und ganz in die Atmosphäre der Bilder versinken.
Das Besondere dabei ist, dass die Kunstwerke hier ihre volle Wirkung entfalten, so wie sie auch in einem Zuhause wirken würden – warm, lebendig, eingebettet in einen bewohnten Raum.
«Das ist ein grosser Vorteil gegenüber einer Galerie», erklärt Mieg. «In einem weissen, unpersönlichen Raum bekommt man kaum ein Gefühl dafür, wie ein Bild im Wohnzimmer oder über einem Esstisch wirkt.» Viele seiner Kundinnen und Kunden bringen Fotos von ihren Wohnräumen mit. Gemeinsam wird überlegt, welche Farbtöne und Formate harmonieren.
Oft besucht Mieg die Käuferinnen und Käufer in deren Zuhause, um vor Ort zu sehen, welches Bild am besten passt. «Das ist ein wichtiger Prozess, bei dem sich das richtige Bild herauskristallisiert. Ich montiere es dann auch selbst – es soll zu hundert Prozent passen und Freude machen.»
Über die Jahre sind aus diesen Begegnungen Freundschaften entstanden. Manche Kundinnen und Kunden begleiten ihn seit Jahrzehnten. «Das Schönste ist, wenn Menschen immer wieder kommen und man sich wieder sieht», sagt er. Seine jüngste Kundin war gerade ein Jahr alt, als ihre Eltern ein Bild für sie kauften, die älteste 87. Ein junges Paar von 21 Jahren leistete sich für 4500 Franken ein Bild für die erste gemeinsame Wohnung. «Das sind berührende Geschichten, die mir zeigen, dass ich vieles richtig mache», so Mieg.
Bis 2010 stellte er in Galerien aus, in grossen Städten und im Ausland. «Das war ziemlich unpersönlich», erinnert er sich. Also entschied er sich, die Kunst wieder zu sich selbst zu holen. 2000 machte er sich selbstständig, kaufte das Haus der Grosseltern aus der Erbengemeinschaft und verwandelte es in einen lebendigen Ort der Begegnung. «Das ist mein Zuhause, meine Geschichte. Die Leute spüren das auch in meinen Bildern – alles gehört zusammen.»
Mieg wusste früh, dass er Kunstmaler werden wollte. Mit 13 malte er bereits mit seinem Onkel, dem bekannten Kunstmaler Peter Mieg. Mit 19 stellte er zum ersten Mal aus. Seit 25 Jahren stellt er in seinem Haus aus und lebt von seiner Kunst. «Ich male in erster Linie für mich selbst, weil es mir beim Malen gut geht. Das ist ein Geschenk, und ich werde malen bis zum letzten Tag meines Lebens.»
Seine Bilder entstehen in aufwendigen Schichten – manchmal bis zu zwanzig übereinander. Er arbeitet mit Trocken- und Nassphasen, lässt Bilder ruhen, überarbeitet sie, bis die gewünschte Tiefe erreicht ist. «Mit dem einfallenden Licht verändert sich das Bild immer wieder. Es lebt. Der Himmel ist ja nie gleich – so wie meine Bilder nie gleich sind.»
Thematisch zieht sich der Himmel tatsächlich wie ein roter Faden durch sein Werk. Seine Malerei entspringt inneren Visionen und Träumen, meist aus der Perspektive eines Vogels. «Jedes meiner Bilder hat einen Horizont. Ich male Himmelswelten, die meinem Geist und meiner Seele guttun – Ausdruck einer Sehnsucht nach Stille und Weite.»
Manche Werke ruhen Wochen oder Monate, bis er spürt, dass sie fertig sind. «Ich male nur, wenn es mir gut geht», sagt er. «Aber auch dunkle Nachtbilder gehören dazu – es gibt Menschen, die genau diese mögen.» Seine Kunst lebt von Authentizität und Emotion. «Was mit dem Herz gekauft wird, bleibt wichtig. Wenn jemand ein Bild kauft, spielen drei Dinge eine Rolle: das Herz, der Platz, an dem es hängen soll, und der Preis – in genau dieser Reihenfolge.»
Neben den Ausstellungen erstellt Mieg kleine Büchlein, Postkarten und Kartensets. Zur Vernissage lädt er Freunde, Bekannte und neue Interessierte ein – eine bunte Mischung, die sich jedes Jahr neu zusammensetzt. Die Vorbereitung ist jedes Mal eine anspruchsvolle Phase. Von September bis Mitte November malt er nicht mehr, sondern organisiert, fotografiert, schreibt Prospekte und gestaltet Einladungen. «Das ist dann meine Geschäftsmann-Zeit», sagt er lachend.
Rund 400 Besucherinnen und Besucher kommen erfahrungsgemäss zu seiner dreiwöchigen Ausstellung. «Ich habe jedes Jahr Lampenfieber – aber es ist eine wunderbare Zeit voller Begegnungen und Energie.» Wer seine Ausstellung besucht, betritt nicht nur ein Atelier, sondern auch das Herz eines Künstlers, der den Himmel auf die Leinwand bringt, um ihn mit anderen zu teilen.
Weitere Informationen: www.alainmieg.com.
Von Olivier Diethelm
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