Tschent Vinyl
Livio Kurmann eröffnet in Niederlenz einen Schallplattenladen
Lenzburg Musik hat die Kraft, zu berühren, zu verbinden und Grenzen aufzulösen. Der diesjährige Vocal Afternoon bewies das einmal mehr eindrücklich. Im stilvollen Ambiente der Baronessa Lenzburg präsentierten 19 Sängerinnen und Sänger, woran sie in den vergangenen Monaten in Sarah Hubers Tonstudio im Hämmerliareal gearbeitet hatten. Entstanden ist ein Nachmittag voller Vielfalt, Emotionen und musikalischer Überraschungen – ein Rückblick, der auch im neuen Jahr nachklingt.
Schon beim Eintreten war klar: Hier gelten andere Regeln. Ein grosses Plakat an der Tür forderte augenzwinkernd auf: «Perfektionismus bitte bei der Garderobe abgeben.» Vocal Coach Sarah Huber eröffnete den Anlass mit einer klaren Einladung an das Publikum: «Ihr habt heute eigentlich die schwierigste Aufgabe – offen zuzuhören, ohne Schubladendenken.» Genau diese Offenheit machte den Vocal Afternoon zu etwas Besonderem. Nicht makellose Darbietungen standen im Zentrum, sondern Ausdruck, Persönlichkeit und die Freude am musikalischen Experiment.
Das Programm spannte einen weiten Bogen: von einer sechsköpfigen Harmony-Vocal-Gruppe über berührende Eigenkompositionen bis hin zu einem gemeinsamen Abschluss-song, in dem sich alle Stimmen von jung bis mittelalt vereinten. Jede Performance wurde persönlich angekündigt. Die Mitwirkenden erzählten von ihren Geschichten, der Bedeutung der Songs und ihrer Beziehung zur Musik. Diese Nähe übertrug sich unmittelbar auf das Publikum, das die Darbietungen mit langanhaltendem Applaus würdigte.
Was vor über zehn Jahren als kleines Schülerkonzert begann, hat sich längst zu einem festen Bestandteil der regionalen Kulturszene entwickelt. Sarah Huber, Gesangslehrerin und Musikphysiologin, setzt sich intensiv mit Bühnenperformance und stimmlicher Gesundheit auseinander. Mit viel Herzblut gibt sie dieses Wissen an ihre Schülerinnen und Schüler weiter. «Sich ausdrücken zu können, ist unglaublich befreiend – auf ganz vielen Ebenen», sagt sie. Eine Haltung, die an diesem Nachmittag in jeder einzelnen Darbietung spürbar war.
Was den Vocal Afternoon nachhaltig auszeichnet, ist seine Atmosphäre: geprägt von Respekt, gegenseitiger Unterstützung und echter Wertschätzung. Die Sängerinnen und Sänger feierten nicht nur ihre eigenen Auftritte, sondern auch die Stimmen der anderen. Mit dem grossen Finale klang der Nachmittag so aus, wie er begonnen hatte: emotional, verbindend und stimmungsvoll. Alle Sängerinnen und Sänger versammelten sich nochmals auf der Bühne und sangen gemeinsam «Always Look on the Bright Side of Life» – ein augenzwinkerndes, kraftvolles Symbol für die Haltung dieses Nachmittags.
Spätestens beim Refrain war klar: Diese Musik gehörte allen. Das Publikum pfiff begeistert mit, der Saal füllte sich mit Leichtigkeit, Lachen und gemeinsamer Resonanz. Ein Moment, der das Wesen des Vocal Afternoons auf den Punkt brachte: Musik als verbindende Kraft, getragen von Freude, Menschlichkeit und Miteinander. Der Ruf «Nächstes Jahr wieder!» hallte zum Abschluss durch den Raum – und macht bereits jetzt Lust auf die nächste Ausgabe.
pd
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