Helena Hodel
begleitet im Rahmen der Palliative-Care-Begleitgruppe Sterbende
Der Lenzburger Stadtrat will Millionen in eine umfassende Sanierung des Kulturhauses Tommasini investieren. Zuvor sollen Grund und Gebäude aber an eine neue Trägerschaft übergeben werden, um Auslastung und Nutzung zu optimieren.
Lenzburg Gut 5,5 Millionen Franken sollen Sanierung und Umbau des in die Jahre gekommenen Lenzburg-er Kulturhauses Tommasini kosten. Federführend bei der Umsetzung wäre aber nicht mehr die Stadt: Grundstück und Gebäude sollen zuvor aus dem Lenzburger Vermögen ausgeschieden und kostenlos an eine neu zu gründende Stiftung übertragen werden, die im Rahmen einer Leis-tungsvereinbarung den künftigen Betrieb verantwortet. Die entsprechende Einwohnerratsvorlage präsentierte der Stadtrat am 16. Februar an einer öffentlichen Veranstaltung.
Das angedachte Vorgehen hat zweierlei Begründungen: Einerseits erfordere das neue Nutzungskonzept eine möglichst selbstständige und flexible Trägerschaft. Die Eigentumsabtretung habe aber auch «bei der Finanzierung, vor allem beim Swisslos-Fonds, eine wichtige Rolle gespielt», erklärte Hans Peter Fricker, ehem. Generalsekretär des Aargauer Innendepartement, der für das Projekt beigezogen wurde. Der Regierungsrat hat im Januar tatsächlich 1,6 Mio. Franken für die Sanierung aus genanntem Geldtopf gesprochen. Die Stadt will sich mit 3,2 Mio. Franken zu Gunsten der neuen Stiftung beteiligen, welche selbst noch 660'000 Franken durch Fundraising beisteuern müsste.
Die Swisslos-Beiträge setzen eine regionale Abstützung der Stiftung voraus. Daher ist die Stadt bereits auf ihre Nachbargemeinden zugegangen, wie Stadtrat Sven Ammann erklärte. Othmarsingen und Staufen haben demnach bereits zugesagt, sich mit gemeinsam 25'000 Franken pro Jahr an den jährlichen Kosten zu beteiligen. Dennoch steigen die wiederkehrenden Kosten für Lenzburg deutlich. Bisher verbucht die Stadt jährlich 70'000 Franken für Betrieb und Unterhalt des Kulturhauses. Werden die Umbauten planmässig bis 2029 abgeschlossen, würden sich die Kosten ab 2030 auf rund 375'429 Franken pro Jahr verfünffachen. Die grössten Posten sind dabei die Beiträge für den Liegenschaftsaufwand, für welchen ein Kostendach von 123'000 Franken vorgesehen ist sowie die Personal- und Sachkosten.
Das neue Nutzungskonzept, in dem zur Optimierung der Auslastung neben der Jugendarbeit (für 10- bis 18-Jährige) und der Jugendkultur (für unter 25-Jährige) zusätzliche Veranstaltungen für ein erwachsenes Zielpublikum vorgesehen sind, sieht die Schaffung drei neuer Teilzeitstellen vor: eine Gesamtleitung (50 %), eine Bereichsleitung Jugendkultur (30 %) und einen Hausdienst (40 %). Davon müsste die Stadt anteilig 131'000 Franken berappen. Hinzu kommen Abschreibungen (91'429 Franken, für 35 Jahre), die Zuwendungen an die Jugendkultur (20'000 Fr.) und an den Verein Tommasini (10'000 Fr.).
Dass im Tommasini Handlungsbedarf besteht, kann indes niemand bestreiten. Erst im November 2025 musste ein Heizungsprovisorium eingebaut werden, weil die alte Gasheizung zum Sicherheitsrisiko wurde. Urs Huber von der Jugendarbeit berichtete zudem, dass sich die Jugendlichen zunehmend unwohl fühlen: Viele gingen im Haus nicht mehr aufs WC, da die Anlagen in einem so schlechten Zustand seien. Je nach Witterung blieben die Räume zudem feucht und muffelig. Das alles bestätigt auch der Augenschein vor Ort: Das Gebäude ist heruntergekommen. Passiert nichts, ist es eine Frage der Zeit, bis das Tommasini aufgegeben werden muss.
Durch Sanierung und Umbau sollen die Räume allerdings nicht nur aufgewertet werden, sondern auch ein besseres Layout entstehen. So sind für die Jugendarbeit baulich abgetrennte Räume mit eigener WC-Anlage geplant. Gleichzeitig wird der Konzertsaal vergrössert, da über der heutigen Werkstatt eine neue Decke eingezogen werden soll.
Der Einwohnerrat entscheidet am 12. März über die Vorlage. Bei einer Annahme muss am 14. Juni auch das Volk zustimmen.
Von Adrian Oberer
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