Alfred Stiner
Der Unterentfeldner Souverän gab grünes Licht für den Zusammenschlussvertrag mit Aarau
Donnerstag, 18. Juni 2026
Am 8. Juni entscheidet die Gemeindeversammlung über den Vertrag zum Zusammenschluss mit Aarau. Im Vorfeld informierten die Projektbeteiligten in der Bächlihalle in Unterentfelden über den Richtungsentscheid.
Unterentfelden Unterentfelden als Stadtteil Aaraus: Was vor einigen Jahren wohl von vielen noch als Hirngespinst abgetan worden wäre, wird dem Aarauer und Unterentfeldner Souverän am 27. September unter dem Namen «Zäme Wachse» unterbreitet, entscheidet sich die Unterentfeldner Stimmbevölkerung am 8. Juni positiv zum Zusammenschluss. Was sich bei den Schulen längst vollzogen hat – das schrittweise Zusammenwachsen über Gemeindegrenzen hinweg – findet nun auch auf kommunalpolitischer Ebene seinen Schauplatz. Die geplante Fusion lässt die Emotionen hochkochen: Vereine haben Angst um ihren Platz in der Turnhalle, Eltern sorgen sich um die Beschulung der Kinder, nicht wenige bangen um die Identität als Dorf.
Fakt ist: Gewachsen sind in den letzten Jahren vor allem die finanzpolitischen Sorgen Unterentfeldens. Laut Finanzplan bis 2030 kommt auf die Gemeinde eine Investitionswelle von insgesamt rund 46 Millionen Franken zu. Allein die Sanierung der Bächlihalle schlägt mit 20 Millionen Franken zu Buche. Hinzu kommen Investitionen in die veraltete Wasserversorgung, die Schulen und die Strasseninfrastruktur. Die Pro-Kopf-Verschuldung von heuer 1'596 Franken verdoppelt sich bis 2028 fast auf 2'942 Franken. Die Prognose für 2030 zeichnet ein gar zappendusteres Bild: 10'767 Franken Verschuldung pro Kopf – kantonaler Rekord. Zum Vergleich: Der Kanton hält eine Pro-Kopf-Verschuldung von 2'500 Franken für tragbar.
Die Hilfe aus Aarau käme da mehr als gelegen. Musterbeispiel Gemeindehaus: Der historische Bau stösst an seine Kapazitätsgrenzen und müsste für 7,5 Millionen Franken umgebaut werden – Geld, das anderweitig eingesetzt werden könnte, würden die Verwaltungsgeschicke künftig von der Rathausgasse in Aarau gelenkt.
Die «Hochzeit», wie sie von den Projektmitgliedern besprochen wurde, ist schon seit 2023 in Vorbereitung. Unterentfelden machte damals den ersten Schritt auf Aarau zu und es schien die Liebe auf den ersten Blick zu sein. Im Juni 2024 sprach der Unterentfeldner Souverän einen Projektierungskredit. In den Jahren 2024 und 2025 erarbeiteten Gremien aus Politik, Bevölkerung und Verwaltung ein Grobkonzept, auf dessen Basis im Dezember 2025 ein Fusionsvertrag finalisiert werden konnte.
Gemeindeammann Alfred Stiner (SP) warb engagiert für das Fusionsvorhaben. «Endlich kann das, was schon lange ohnehin zusammengehört, auch politisch zusammengeführt werden.» Durch das Einreissen unnötiger Grenzen würde Unterentfelden am Aarauer Kuchen teilhaben: So etwa in der Politik, wo man als geschlossenes Aarau für lokale Anliegen mehr Gewicht erhält. Stiner räumte mit den Bedenken auf, dass Vereine um ihre Sportstätten bangen müssten. Dank gemeinsamer Organisation würden neue Möglichkeiten eröffnet und neu könne aus den Aarauer Fördermitteln geschöpft werden. Ängsten rund um die Schulstandorte begegnete Stiner klar: Die Schulen würden in «keinem Szenario» infrage gestellt – sie bleiben im Dorf.
Gemeindeschreiberin und Verwaltungsleiterin Sahra Joho betonte, dass die Identität Unterentfeldens keineswegs verschwinden würde. Musterbeispiel Ortstafel: Obwohl der Stadtname Aarau übernommen würde, lautet dieser weiterhin auf «Unterentfelden», mit einem kleinen «Aarau» in Klammern. Strassennamen und Postleitzahl blieben unverändert. Lediglich auf den amtlichen Dokumenten müsste das bewährte Wappen dem 2025 neu gestalteten, schwarzen Aarauer Adler weichen. Passend, wird die Verwaltung bei einer Fusion nach Aarau zügeln.
Einschneidende Änderungen gibt es in der Legislative. Während die Ortsbürgergemeinde mit jener der Aarauer fusioniert, entfällt die Einwohnergemeindeversammlung. Stattdessen nehmen neun gewählte Unterentfeldner Einsitz im Einwohnerrat Aarau, der temporär auf 59 Sitze anwächst. 2030 wird es dann wieder bei 50 Sitzen zwei Wahlkreise geben, damit garantiert acht Unterentfelder vertreten sind. Ab 2034 kennen die Wahlen dann keine Wahlkreise mehr. Auch die Exekutive bekommt Zuwachs: dem siebenköpfigen Stadtrat kommt von 2028 bis 2029 ein gewählter Unterentfeldner dazu. Der Stadtrat kehrt dann bereits 2030 wieder zu sieben Sitzen zurück.
Marco Salvini, Stadtschreiber Aaraus, präsentierte in der Folge wohl den Fakt, den viele überzeugen dürfte: Unterentfelden würde bei einer Fusion den Steuerfuss von Aarau übernehmen. Also 96 % statt wie anhin 113 %. Die Steuerausfälle sollten sich dank der Finanzkraft Aaraus und der neugewonnenen Standortattraktivität ausgleichen.
Joel Dreier
Lade Fotos..