Regula Stirnemann
organisiert ab dem Januar 2026 den Kurs «Ladies Mountainbiketechnik 55+»
Über 250 Repair Cafés gibt es mittlerweile in der ganzen Schweiz, seit gut einem Jahr auch eines in Oberentfelden im Tuchschmidhuus. Ein Besuch letzten Samstag zeigte, was sie so wertvoll macht: Sie wirken der Wegwerfmentalität entgegen.
Oberentfelden «Mein Toaster funktioniert wieder einwandfrei und ist fast wie neu», strahlt die ältere Dame, als sie ihr Gerät nach der Reparatur zurückerhält. Sie habe den Toaster schon entsorgen wollen und sich dann dazu entschieden, am heutigen Samstag im Repair Café in Oberentfelden vorbeizukommen. Sie habe gedacht, sie möchte die Gelegenheit nutzen und es hat sich gelohnt. Einer der beiden Fächer, die das Brot in die Heizkammer absenken, hatte sich verbogen. Keine grosse Sache für die freiwilligen Reparateure des Repair Cafés.
Und das ist genau der Sinn der Sache. Zahlreiche Geräte lassen sich mit wenig Aufwand reparieren und weiterverwenden – viel besser, als sie einfach zu entsorgen und ein neues zu kaufen. Oftmals ist es nur ein geringfügiger Defekt, etwa ein Wackelkontakt, den es zu beheben gilt. Kleine Haushaltsgeräte, wie zum Beispiel Toaster oder Wasserkocher, gehörten in die Hitliste wie auch Kaffeemaschinen, weiss Reparateur Manuel Stallnig aus Erfahrung zu berichten. Gerade bei Letzteren verstopfen immer mal wieder die Wasserpumpen, welche mangels Wartung und Pflege gerne verkalken.
Manuel Stallnig kommt aus einem technischen Beruf und ist in verschiedenen Repair Cafés in der Region im Einsatz. Sachen zu reparieren, also das Problem zu finden und zu lösen, macht ihm grossen Spass und er findet es einfach schade, wenn man Geräte nur wegen eines kleinen Defekts entsorgt.
Die Gemeinde Oberentfelden stellt das Tuchschmidhuus als innovativen und gemeinnützigen Ort verschiedenen Gruppen zur Verfügung, die gerne etwas für die Gemeinschaft und zur Belebung der Gemeinde machen wollen. Mit der Idee des Repair Cafés Oberentfelden sei sie zunächst auf etwas Skepsis gestossen, erzählt Initiantin Priska Jenatsch, gebe es doch in der Region Aarau schon einige davon. Doch die erste Ausgabe gegen Jahresende 2024 war ein überraschend grosser Erfolg und sehr gut besucht. Die freiwilligen Reparateure hat die Initiantin mittels Networking und Herumfragen gefunden. Dieses Jahr ist auch eine Näherin mit von der Partie.
Es folgten in diesem Jahr vier weitere Repair Cafés, das letzte fand nun vergangenen Samstag statt. Es sei das letzte Café, das sie leite, erzählt Priska Jenatsch. Nächstes Jahr mache sie eine Weiterbildung und habe leider keine Zeit mehr, zumal sie auch noch den regelmässigen Event «Zu Tisch» im Tuchschmidhuus organisiere. Als ihren Nachfolger ab dem nächsten Jahr kündigte sie Manuel Stallnig an.
Während man im Repair Café auf die reparierten Sachen wartet, bietet sich bei Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen die Gelegenheit, mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen. Das Repair Café ist grundsätzlich gratis und ein Obolus ist willkommen. Aber es gibt kaum jemanden, der nichts ins Spendenkässeli gibt. Der Erlös kommt wieder der Tuchschmidhuus-Infra-struktur zugute. Hier finden das ganze Jahr über verschiedene Veranstaltungen statt. Auch das Repair Café wird nächstes Jahr wieder stattfinden. Informationen dazu gibt es unter www.tuchschmidhuus.ch.
Um etwas gegen diesen Ressourcenverschleiss und die wachsenden Abfallberge zu unternehmen, hat der Konsumentenschutz 2014 das erste Repair Café der Schweiz gegründet. Die Bewegung der Repair Cafés ist international – in der Schweiz haben sich mittlerweile 257 Repair Cafés gebildet. Getragen werden die Repair Cafés von engagierten Helfenden und Reparierenden, die ihre Zeit sowie ihr Wissen und Können unentgeltlich zur Verfügung stellen. Der Konsumentenschutz ist Pate, Koordinator und Unterstützer der Repair Cafés. Auf politischer Ebene setzt er sich gegen die geplante Obsoleszenz von Herstellern und für das Recht auf Reparatur ein. Weitere Infos und Standorte unter www.repair-cafe.ch.
Von Olivier Diethelm
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