Sinisha Lüscher
Er gehört zu den Favoriten an der Niklaus-Thut-Schwinget in Zofingen
Vom 5. Juni bis 12. Juli sind im Kasinopark in Aarau die allseits beliebten Badibibliothek-Plakate ausgestellt, die der Grafiker Hans Häusler seit 14 Jahren für die Stadtbibliothek Aarau jedes Jahr wieder neu gestaltet.
Aarau Mit einer Vernissage im Kasinopark wurde am vergangenen Freitag die Ausstellung «Zwischen Wasser und Wörtern» eröffnet. Bis zum 12. Juli sind dort sämtliche Badibibliothek-Plakate aus den Jahren 2013 bis 2026 zu sehen. Diese Ausstellung würdigt nicht nur die beliebten Sommerplakate des Grafikers Hans Häusler, sondern auch die Erfolgsgeschichte eines Leseförderungsprojekts, das seit vierzehn Jahren fester Bestandteil des Aarauer Sommers ist.
Die Eröffnung erhielt zusätzliche Strahlkraft durch eine freudige Nachricht: Erst am Vortag war bekannt geworden, dass Aarau den Zuschlag als Kulturhauptstadt 2030 erhalten hat.
Lilo Moser, Leiterin der Stadtbibliothek Aarau, eröffnete die Vernissage mit einem besonderen Dank an die Verantwortlichen des erfolgreichen Bewerbungsprozesses. «Gestern bekam die Stadt Aarau den Zuschlag für die Kulturhauptstadt 2030», sagte sie. Besonders würdigte sie Stadträtin Suzanne Marclay-Merz und deren Team, die «in den letzten Wochen unermüdlich mit grossem Engagement für dieses Ziel gearbeitet» hätten. Die Stadtbibliothek werde das Projekt nach Kräften unterstützen, damit 2030 ein erfolgreiches Kulturjahr werde.
Anschliessend begrüsste Moser die zahlreichen Gäste zur Ausstellung der Badibibliotheks-Plakate. Das Leseförderungsprojekt sei vor vierzehn Jahren mit dem Ziel gestartet worden, Kindern auf unkomplizierte Weise den Zugang zu Büchern zu ermöglichen. Für die visuelle Umsetzung habe sie damals Hans Häusler angefragt.
Die ersten Plakate seien noch etwas anders gestaltet gewesen, erinnerte sich Moser. Doch der Entwurf mit dem einzelnen Stengelglacé für das Plakat 2013 habe sofort überzeugt und den Grundstein für die heutige Plakatreihe gelegt. Seither erhalte das Bibliotheksteam jeweils im März drei neue Entwürfe von Häusler. «Für uns ist das immer ein bisschen wie Weihnachten, wenn wir das neue Plakat aussuchen dürfen», sagte Moser.
Auch die Kundinnen und Kunden warteten jedes Jahr gespannt auf das neue Sujet. Während der Sommermonate prägten die Plakate das Stadtbild und würden wesentlich zur positiven Sommerstimmung sowie zum frischen Image der Stadtbibliothek beitragen.
Die Verbindung zwischen Lilo Moser und Hans Häusler reicht weit zurück. «Hans und ich kennen uns schon seit über 30 Jahren», erzählte sie. «Noch bevor ich die Leitung der Stadtbibliothek übernahm, arbeitete ich ein einer IT-Firma. Hans war dort für die Werbung zuständig. Schon damals hat mir sein grafischer Stil sehr gut gefallen. Deshalb beauftragte ich ihn später mit dem Entwurf des Bibliothekslogos sowie der Kundenkarten.»
Die Karten seien bis heute nahezu unverändert geblieben und erfreuten sich weiterhin grosser Beliebtheit. Auch die charakteristischen Tragetaschen hätten längst Kultstatus erreicht. Und die Zusammenarbeit soll weitergehen: Als nächstes gemeinsames Projekt steht die Neugestaltung der Website der Stadtbibliothek an.
Hans Häusler zeigte sich an der Vernissage gerührt. «Es ist mir eine Ehre, hier zu sein, und es freut mich sehr, dass ich mit meiner Arbeit den Leuten grosse Freude bereiten kann», sagte er. Auf die Frage nach dem Entstehungsprozess seiner Arbeiten nannte er drei zentrale Elemente. An erster Stelle stehe das Zuhören und Verstehen. Es gelte herauszufinden, was die DNA der Stadtbibliothek ausmache. Sein erster Eindruck vor dreissig Jahren sei geprägt gewesen von der Vorstellung einer ehrwürdigen, stillen Institution. «Ich fand mich dann mitten in Kinderwagen wieder und bekam ein völlig anderes Bild der Bibliothek», erinnerte er sich mit einem Lachen.
Daraus hätten sich zwei Begriffe herauskristallisiert: Innovation und Lebendigkeit. Die Entwicklung der Bibliothek in den vergangenen Jahrzehnten bezeichnete er als beeindruckend. Gleichzeitig sei die Bibliothek ein Ort voller Leben – mit Kindern, Familien, Lernenden und Mitarbeitenden. Diese Lebendigkeit spiegle sich auch im Erscheinungsbild und in den Plakaten wider.
Als dritte Voraussetzung für kreative Arbeit nannte Häusler den Mut. «Wenn man etwas Kreatives machen will, muss man mutig sein», betonte er. Es brauche die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und sich auch einmal ausserhalb des Gewöhnlichen zu bewegen.
Stadträtin Suzanne Marclay-Merz griff diesen Gedanken auf und gratulierte sowohl Moser als auch Häusler zu ihrem Innovationsgeist. «Wer nicht wagt, der nicht gewinnt», sagte sie. Menschen und Institutionen wie etwa die Stadtbibliothek hätten wesentlich dazu beigetragen, dass Aarau als Kulturhauptstadt 2030 ausgewählt worden sei.
Besonders hob sie die niederschwellige Vermittlung von Kultur hervor. Die Plakate würden Freude bereiten und gleichzeitig die Jüngsten zum Lesen motivieren. «Viele Kinder haben von zuhause aus diesen Zugang nicht», erklärte die Marclay-Merz. Umso wichtiger seien Angebote wie die Badibibliothek, die auf spielerische und unkomplizierte Weise den Zugang zu Büchern und Lesekultur ermöglichten.
Genau diese Offenheit und Zugänglichkeit entspreche auch den Zielen der städtischen Kulturstrategie. Dass man auf der Strasse Kunst entdecken und in der Badi unkompliziert ein Buch ausleihen könne, sei ein starkes Zeichen gelebter Kulturförderung. Mit Blick auf die Zukunft lobte die Stadträtin die Arbeit der Beteiligten und schloss mit einem klaren Appell: «Ein super Engagement, bitte macht weiter so!»
Von Olivier Diethelm
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