Tobias Leuthard
Rückblick auf zwei Amtsperioden als Gemeindepräsident von Küttigen
Im neuen Jahr übernimmt Daniela Weber das Ruder der Gemeinde Rothrist. Sie schaut auf kommende Projekte sowieHerausforderungen – und sagt, was sie sich für Rothrist persönlich wünscht.
Frau Weber, Sie übernehmen nächstes Jahr erstmals das Amt der Gemeindepräsidentin. Was bedeutet diese Verantwortung für Sie?
Einerseits ist es mir eine grosse Ehre, der Gemeinde Rothrist politisch vorzustehen. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass dieses Amt ein hohes Mass an Präsenz und auch eine dicke Haut erfordert. Ich nehme diese Verantwortung deshalb auch mit einer gesunden Portion Respekt an.
In gewisser Weise auch eine Premiere: Rothrist kehrt dem Titel «Gemeindeammann» den Rücken. Von «Frau Vizeammann» zur Gemeindepräsidentin. Warum dieser Schritt?
Es ist tatsächlich so, dass ich die erste Frau an der politischen Spitze von Rothrist bin. Die Änderung der Rollenbezeichnung hat jedoch nichts mit mir als Person zu tun. Die Begriffsänderung stammt aus einer Revision der Gemeindeordnung, welche im Frühling 2024 von der Stimmbevölkerung angenommen wurde.
Welche grossen Projekte stehen in Ihrer ersten Amtszeit an?
Es gibt die drei grossen Bauprojekte, welche von der Gemeindeversammlung bereits per Verpflichtungskredit bewilligt worden sind. Dies ist einerseits die Fertigstellung der Sanierung des Schulhauses Dörfli 1, geplant im Sommer 2026. Dann der Bau des Busbahnhofs und die Umgestaltung des Bahnhofplatzes, Baubeginn Frühling 2026. Und schliesslich der Bau der Wiggertalstrasse Abschnitt Nord mit den flankierenden Massnahmen. Hier tritt jedoch die Gemeinde nicht als Bauherrin auf. Mit grosser Energie planen wir weiter die Sanierung des Gemeindehauses. Die Gemeindeversammlung hat für diese Planung einen Projektierungskredit von 120'000 Franken bewilligt.
Gibt es kleinere Projekte, die Sie auch umtreiben, welche der Öffentlichkeit aber weniger bekannt sind?
Die gibt es fast tagtäglich. Die Arbeit im Gemeinderat und insbesondere als Gemeindepräsidentin ist geprägt von grösseren und kleineren Projekten.
Die Verkehrssituation in und um Rothrist wird uns auch in Zukunft stark beschäftigen. Damit sind nicht nur die grossen Projekte gemeint, sondern es gibt viele Herausforderungen im Kleinen: Schulwegsicherheit, Begehrlichkeiten für Tempo 30 oder eben dann dagegen, steigender Lastwagenverkehr durch zunehmende Logistik oder auch die Situation des Parkierens auf öffentlichem Grund. Die Planung und Lenkung des Verkehrsaufkommens wird uns im Gemeinderat und in der Verwaltung in Zukunft stark beschäftigen.
Als Ressortvorsteherin Bildung ist mir natürlich eine gute Schulqualität und eine adäquate Bildung und Betreuung unserer Kinder und Jugendlichen ein grosses Anliegen. Apropos Schule: Das Thema Schulraumplanung beschäftigt wohl fast jede Gemeinde im Kanton Aargau. In Rothrist besuchen im Moment knapp 1500 Schülerinnen und Schüler den Unterricht. Die Schulraumplanung in einer so dezentralen und langgezogenen Gemeinde wie es Rothrist ist, stellt die strategische und operative Führung immer wieder vor Herausforderungen.
Weiter ist es für die Gemeinde Rothrist wichtig, eine attraktive Arbeitgeberin zu sein, damit die von uns geforderten Dienstleistungen weiter in der gewohnt hohen Qualität für unsere Bürger und Bürgerinnen zur Verfügung stehen.
Ein grosses «Projekt», das Sie noch als Frau Vizeammann federführend begleiten durften, war das lang-ersehnte Kinderfest. Wie haben Sie die Feierlichkeiten wahrgenommen?
Es war unglaublich – ein tolles Ereignis, welches unserer Gemeinde extrem gut getan hat. Die Mitglieder des OK haben sich in unzähligen Stunden für dieses Fest und damit für die Kinder, Jugendlichen und das ganze Dorf eingesetzt. Am Fest selber sah ich nur lachende Gesichter und auch im Nachgang haben wir noch viele positive Zusprüche erhalten.
Rothrist hat seit einigen Jahren mit der Verkehrssituation im Dorf zu kämpfen. Abhilfe soll die Wiggertalstrasse mit dem Abschnitt Nord schaffen. Auch der Rössli-Kreisel soll einer neuen Lösung weichen. Wann stehen die Bauarbeiten genau an? Wie wird in dieser Zeit der Fluss des Verkehrs sichergestellt? Und was kommt kostentechnisch auf Rothrist zu?
Bei diesem Projekt wird der Kanton als Bauherr auftreten. Wir als Gemeinde sind in verschiedenen Begleitkommissionen im Austausch mit dem Kanton sowie mit dem Bundesamt für Strassen betreffend Effizienzsteigerung der Autobahnkreisel auf der Rishalde.
Geplant ist, dass zuerst die Umfahrungsstrasse gebaut wird und erst nachher die Bernstrasse saniert und dort die verkehrsberuhigenden Massnahmen umgesetzt werden. Parallel zu diesem grossen Projekt sichert das Bundesamt für Strassen die Neugestaltung der Kreisel Rishalden und der Kanton jene des Knotens «Ibis» zu. Das Vertrauen in die Verkehrsplaner ist gross, dass es gelingt, den Verkehrsfluss auch während der Bauphase aufrecht zu erhalten.
Der Baubeginn ist auf Ende 2028 geplant und der von der Gemeindeversammlung bewilligte Kostenanteil der Gemeinde Rothrist für das gesamte Projekt beläuft sich auf 8'325’000 Franken.
Apropos Kosten: Zum Showdown bezüglich des Steuerfusses kam es an der Gemeindeversammlung. Der Steuerfuss bleibt auf den bisherigen 110 %. Was bedeutet dieser Schritt für die Zukunft der Gemeinde?
Als Gemeinderat sind wir verpflichtet, langfristig für einen ausgeglichenen Finanzhaushalt für unsere Gemeinde zu sorgen. Wir waren und sind immer noch überzeugt, dass dies nur mit einem Steuerfuss von 115 % langfristig möglich ist.
Das Stimmvolk an der Gemeindeversammlung vom 27.11. hat sich entschieden, den Steuerfuss fürs Jahr 2026 auf 110 % zu belassen. Dies bedeutet für die Gemeinde ein geplantes Defizit von rund 900'000 Franken. Dieser Entscheid des Souveräns ist selbstverständlich zu akzeptieren und führt auch nicht zu einem Stillstand in unserer Gemeinde, wie es bei einer totalen Ablehnung des Budgets geschehen wäre.
Ihr Vorgänger erwähnte im letzten Jahr, dass die Planung der neuen KVA in Oftringen «immer konkreter» werde. Wie ist der Stand momentan? Wie sieht es mit dem Fernwärmenetz in Rothrist aus?
Das Projekt ist auf Kurs, muss aber unter anderem noch die politische Hürde der Umzonung des Areals an der Gemeindeversammlung Oftringen nehmen.
Fernwärme ist für eine Gemeinde ein grosser Standortvorteil. Aus diesem Grund arbeiten wir daran, am regionalen Fernwärmenetz, nach einem erhofften Ausbau der KVA Oftringen, zu partizipieren. Die Form ist jedoch noch völlig offen.
Auch der Spass muss sein: Welche Anlässe sind in Rothrist einen Besuch wert?
In Rothrist ist jeder Anlass einen Besuch wert. Wir haben ein reges Vereinsleben und unsere Dorfvereine veranstalten regelmässig verschiedenste Anlässe für unsere Bevölkerung.
Ich persönlich hoffe, dass der Besuch einer Gemeindeversammlung wieder für mehr Rothrister und Rothristerinnen selbstverständlich wird. Hier wird Demokratie gelebt, jeder und jede kann sich einbringen und die Zukunft unserer Gemeinde konstruktiv mitgestalten.
Sie haben das letzte Wort.
Ich freue mich auf meine neue Aufgabe ab Januar 2026. Vor allem freue ich mich auf den Austausch mit den Menschen, einen Austausch auf Augenhöhe. Die Gemeindepolitik soll kein Ort für Wutbürger und destruktives Verhalten sein. Ich möchte den persönlichen Austausch mit Personen pflegen, ganz egal was diese für eine Meinung vertreten. Wichtig sind mir faire und offene Gespräche. Nur so können wir alle zusammen Rothrist weiterbringen. Und ja, ich bin überzeugt, dass Rothrist eine attraktive Gemeinde ist. Sorgen wir alle zusammen dafür, dass es so bleibt.
Interview: Joel Dreier
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