Tobias Leuthard
Rückblick auf zwei Amtsperioden als Gemeindepräsident von Küttigen
Nathalie Imboden inszeniert eindrucksvoll die Geschichte der Aargauerin Lili Glarner aus den 1930er-Jahren, die bis in die Gegenwart wirkt.
Bild: Elisa Sofia Theiler
Aarau Mit «Aus der Zeit. Eine Spurensuche» setzt Peter Jakob Kelting, Autor, Dramaturg und ehemaliger Leiter der Bühne Aarau, ein Projekt in eine theatrale Form um, dessen Ur-Aargauer Stoff ihm schon lange am Herzen liegt. Die Premiere ist am Dienstag, 16. Dezember, um 20 Uhr im Theater Tuchlaube in Aarau.
Berlin, Sommer 1933: Die Nationalsozialisten verfolgen ihre Gegner mit brutaler Härte. Inmitten dieses Klimas wird die junge Aargauerin Lili Glarner von der Gestapo verhaftet. Man beschuldigt sie, für eine kommunistische Widerstandszelle militärische Anlagen ausspioniert zu haben. Das Projekt «Aus der Zeit. Eine Spurensuche» nähert sich ihrem Schicksal anhand von Briefen und Dokumenten, die ein erschütterndes Bild dieser Umbruchszeit zeichnen und überraschend aktuell wirken.
Auf der Bühne bereitet eine junge Historikerin einen Vortrag über die Kommunistin Glarner vor. Doch je tiefer sie in das umfangreiche Material eintaucht, desto stärker beginnt sie, sich mit Lili zu identifizieren; die Dokumente entwickeln ein unheimliches Eigenleben.
Die Geschichte beginnt am 21. April 1933: Lili kündigt ihren Eltern an, ihren niederländischen Freund gegen ihren Willen zu heiraten und mit ihm in die Sowjetunion auszuwandern. Bereits am nächsten Tag reist das Paar nach Berlin, um Visa zu besorgen – und gerät in ein Land im radikalen Umbruch. Kurz darauf erreichen die Eltern besorgniserregende Nachrichten: Lili und ihr Begleiter wurden wegen angeblich staatsfeindlicher Aktivitäten festgenommen.
15 Monate, davon 12 in Einzelhaft, bleibt Lili im Gefängnis Moabit. Ihre verzweifelten Briefe erreichen die Mutter in Wildegg, während der Vater unermüdlich versucht, ihre Freilassung zu erwirken. Erst im Oktober 1934 hat er Erfolg: Lili wird entlassen und in die Schweiz ausgewiesen.
Doch die Rekonstruktion wirft Fragen auf: Was geschah während der Haft? Welche Wege beschritt der Vater wirklich? Warum zögerten die Schweizer Behörden, sich für ihre Bürgerin einzusetzen? Und welche Rolle spielte Rudolf Hess bei ihrer Freilassung?
Grundlage des Projekts sind 23 Briefe Lilis an ihre Mutter, ergänzt durch amtliche Akten aus Bern und Berlin, Zeitungsberichte und Dokumente aus späteren Lebensjahren. Eine surreale Bild- und Videoebene erweitert den dokumentarischen Kern.
Lili Glarners Geschichte wirkt in die Gegenwart: Sie spiegelt die Unsicherheit der frühen 1930er-Jahre – und stellt angesichts heutiger Bedrohungen demokratischer Ordnungen die dringliche Frage, wie Staaten und Individuen autokratischen Tendenzen begegnen.
«Aus der Zeit. Eine Spurensuche» ist ein Theaterprojekt von Peter-Jakob Kelting (Konzept, Text, Regie), das als Koproduktion mit der Bühne Aarau und in Kooperation mit dem Stadtmuseum Aarau umgesetzt wird. Die Premiere im Theater Tuchlaube Aarau ist am Dienstag, 16. Dezember, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen sind am Mittwoch, 17. Dezember, um 20 Uhr (nach der Aufführung findet ein Nachgespräch mit den Beteiligten der Produktion statt) und am Donnerstag, 18. Januar, um 20 Uhr. Weitere Informationen unter www.buehne-aarau.ch.
Unter dem Titel «Ich muss meinen Weg gehen – Lili Glarner und ihre Zeit» gibt es am Sonntag, 14. Dezember, um 11 Uhr in der Tuchlaube eine Matinée unter der Leitung von Peter Jakob Kelting. Der Dramaturg Peter Jakob Kelting, Elisabeth Flück-Zschokke (Tochter von Lilli Glarner), der Historiker Dr. Dominik Sauerländer und Dr. Christian Koller, Leiter des Sozialarchiv Zürich, sprechen über die Biografie einer starken Frau, deren Geschichte einen langen Schatten in die Gegenwart wirft. Der Eintritt ist frei, es wird gebeten, ein Ticket zu reservieren.
pd
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